Tomaten im eigenen Garten anbauen – Der komplette Ratgeber
Tomaten im eigenen Garten anbauen – Der komplette Ratgeber
Tomaten (Solanum lycopersicum) sind das Lieblingsgemüse der Deutschen und die Königin des Nutzgartens. Der Geschmack selbstgezogener, sonnengereifter Tomaten ist mit gekauften Früchten nicht zu vergleichen. Ob im Beet, Gewächshaus oder auf dem Balkon – Tomaten gedeihen fast überall, wenn man einige Grundregeln beachtet. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles über Sortenwahl, Anzucht, Pflege und die häufigsten Probleme beim Tomatenanbau.
Die richtige Tomatensorte wählen
Die Sortenvielfalt ist überwältigend. Hier die wichtigsten Typen für den Hausgarten:
- Fleischtomaten: Große, saftige Früchte wie ‚Ochsenherz‘ oder ‚Marmande‘ – perfekt für Salate und zum Füllen.
- Buschtomaten: Kompakter Wuchs, ideal für Kübel und Balkon – Sorten wie ‚Balkonstar‘ oder ‚Tiny Tim‘.
- Cocktailtomaten: Kleine, aromatische Früchte – ‚Sweet Million‘ oder ‚Black Cherry‘ sind besonders beliebt.
- Flaschentomaten: Längliche Früchte mit wenig Saft, optimal für Saucen und zum Trocknen – z.B. ‚San Marzano‘.
- Alte Sorten: Besonders aromatisch und samenfest – Sorten wie ‚Brandywine‘ oder ‚Tschernij Prinz‘.
Standort und Boden
Tomaten brauchen einen sonnigen, warmen und windgeschützten Standort. Mindestens 6–8 Stunden direktes Sonnenlicht täglich sind Pflicht. Der Boden sollte tiefgründig, humusreich und nährstoffreich sein. Vor dem Pflanzen reichlich Kompost oder gut verrotteten Mist einarbeiten. Der pH-Wert sollte zwischen 6,0 und 7,0 liegen.
Wichtig: Tomaten sind selbstunverträglich. Pflanzen Sie Tomaten frühestens nach 3–4 Jahren wieder an denselben Standort. Gute Vorfrüchte sind Bohnen, Erbsen oder Salat. Kartoffeln als Vorfrucht vermeiden – beide gehören zur Familie der Nachtschattengewächse und teilen Krankheiten.
Tomaten vorziehen und pflanzen
Ab Mitte Februar bis Mitte März können Sie Tomaten auf der Fensterbank vorziehen:
- Verwenden Sie nährstoffarme Anzuchterde und saubere Anzuchttöpfe.
- Samen etwa 0,5–1 cm tief aussäen und feucht halten.
- Bei 20–24 °C keimen Tomaten nach 5–10 Tagen.
- Nach dem Erscheinen der ersten echten Blätter in größere Töpfe pikieren.
- Die Jungpflanzen hell und bei 16–18 °C weiterkultivieren – zu warme Temperaturen führen zu vergeilten, langen Trieben.
- Ab Mitte Mai nach den Eisheiligen ins Freiland pflanzen.
Tomaten tiefer pflanzen, als sie im Topf standen – am Stängel bilden sich zusätzliche Wurzeln. Pflanzabstand: 50–70 cm je nach Sorte. Stabtomaten sofort mit einem stabilen Stützstab oder einer Schnur versehen.
Pflege: Gießen, Düngen und Ausgeizen
Tomaten sind durstig, aber empfindlich gegen nasse Blätter. Gießen Sie immer bodennah und gleichmäßig. Unregelmäßiges Gießen führt zu geplatzten Früchten und Blütenendfäule. Eine Mulchschicht aus Stroh oder Rasenschnitt hält die Feuchtigkeit im Boden.
Als Starkzehrer benötigen Tomaten reichlich Nährstoffe. Nach der Pflanzung alle 2–3 Wochen mit einem kalibetonten Tomatendünger düngen. Brennnesseljauche und Beinwelljauche sind hervorragende organische Alternativen.
Das Ausgeizen ist bei Stabtomaten essenziell: Die kleinen Seitentriebe in den Blattachseln regelmäßig mit den Fingern ausbrechen. So wächst die Pflanze ein- bis maximal zweitriebig und steckt ihre Energie in die Früchte statt in Blattmasse. Buschtomaten werden nicht ausgegeizt.
Krankheiten und Schädlinge
- Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans): Die gefürchtetste Tomatenkrankheit. Braune Flecken an Blättern und Früchten. Vorbeugen durch Überdachung (Regenschutz) und weite Pflanzabstände.
- Blütenendfäule: Braune, eingefallene Stellen an der Fruchtunterseite. Ursache: Kalziummangel durch unregelmäßige Wasserversorgung.
- Tomatenminiermotte: Die Raupen fressen Gänge in Blätter und Früchte. Kulturschutznetze helfen vorbeugend.
- Weiße Fliege: Gelbtafeln aufstellen und bei starkem Befall mit Neem-Öl behandeln.
Ernte und Verwendung
Die erste Ernte beginnt je nach Sorte und Standort ab Juli und kann bei guter Pflege bis Oktober andauern. Tomaten sind erntereif, wenn sie ihre sortentypische Farbe voll entwickelt haben und bei leichtem Druck etwas nachgeben. Grüne Tomaten am Ende der Saison können Sie abnehmen und an einem warmen, dunklen Ort nachreifen lassen – ein Apfel in der Kiste beschleunigt die Nachreife.