Einblatt (Spathiphyllum)

Übergossene Pflanze retten – So geht es

Zu viel Wasser ist die häufigste Todesursache bei Zimmerpflanzen – zum Glück aber auch eine der am besten behebbaren, wenn man das Problem rechtzeitig erkennt und konsequent handelt. Der Schaden entsteht dabei nicht durch das Wasser selbst, sondern durch dauerhaft nasse Erde, die die Wurzeln erstickt und den perfekten Nährboden für fäulniserregende Pilze und Bakterien bildet. So erkennst du das Problem und bringst eine geschwächte Pflanze wieder zurück.

Warnsignale erkennen

Übergossene Pflanzen sehen oft erstaunlich ähnlich aus wie ausgetrocknete – weshalb viele Pflanzenfreunde als Reaktion noch mehr gießen und die Lage dadurch verschlimmern. Achte auf folgende Anzeichen:

  • Untere und ältere Blätter werden gelb oder durchscheinend und fühlen sich eher weich oder matschig als knackig an
  • Die Erde bleibt tagelang nach dem Gießen nass und trocknet nie richtig ab
  • Ein säuerlicher, muffiger oder fauliger Geruch (wie faule Eier) steigt aus dem Topf auf
  • Weiche, dunkle oder matschige Stängel direkt über der Erde
  • Blätter fallen plötzlich ab, obwohl sie noch grün aussehen
  • Trauermücken schwirren über der Erdoberfläche

Wenn mehrere dieser Anzeichen gleichzeitig auftreten, solltest du sofort mit dem Gießen aufhören und die Pflanze genauer untersuchen.

Die Wurzeln kontrollieren

Nimm die Pflanze vorsichtig aus dem Topf und klopfe so viel lose Erde wie möglich von Hand ab. Gesunde Wurzeln sind fest, meist weiß, beige oder hellbraun und halten beim Berühren noch etwas zusammen. Faule Wurzeln dagegen sind dunkelbraun bis schwarz, fühlen sich schleimig oder matschig an und verlieren beim Durchziehen der Finger oft ihre äußere Schicht, sodass nur ein dünner, faseriger Kern übrig bleibt.

Beschädigtes Wurzelwerk entfernen

Schneide mit einer Schere oder einem Messer, das du zuvor mit Alkohol desinfiziert hast, alle faulen Wurzeln bis ins gesunde, feste Gewebe zurück. Scheue dich nicht, auch größere Teile zu entfernen, wenn die Fäule schon fortgeschritten ist – jeder verbliebene faule Rest kann sich sonst auf die restlichen gesunden Wurzeln ausbreiten. Ist mehr als die Hälfte des Wurzelwerks betroffen, solltest du zusätzlich einen Teil der oberirdischen Triebe oder Blätter (etwa ein Drittel) zurückschneiden, damit die verbliebenen Wurzeln nicht überfordert werden.

In frisches, trockenes Substrat umtopfen

Entsorge die alte, durchnässte Erde komplett – sie enthält meist bereits Pilzsporen und lässt sich selbst nach dem Trocknen nicht mehr richtig entwässern. Reinige den Topf mit Seifenwasser (oder verwende einen anderen), und topfe die Pflanze in frisches, gut durchlässiges Substrat um, das zur jeweiligen Art passt – idealerweise mit Perlite oder Orchideenrinde angereichert, um die Durchlüftung zu verbessern. Achte darauf, dass der Topf ein Abzugsloch hat. Falls nicht, wechsle entweder den Topf oder stelle die Pflanze in einem durchlässigen Kunststofftopf in den dekorativen Übertopf, damit überschüssiges Wasser abfließen kann.

Gieße nach dem Umtopfen nicht sofort. Lass die Pflanze einige Tage bis zu einer Woche zur Ruhe kommen, damit kleinere Verletzungen an den Wurzeln Zeit haben, sich zu verschließen, bevor sie erneut mit Feuchtigkeit in Berührung kommen.

Die Gießgewohnheiten anpassen

Sobald die Pflanze umgetopft ist, solltest du von einem festen Gießplan auf eine Kontrolle der Erde vor jedem Gießen umsteigen. Stecke einen Finger etwa fünf Zentimeter tief in die Erde oder verwende ein Feuchtigkeitsmessgerät, und gieße erst, wenn die obere Hälfte bis zwei Drittel des Topfes trocken ist – je nach Pflanzenart. Reduziere die Gießhäufigkeit im Winter oder bei wenig Licht zusätzlich, da das Wachstum dann langsamer ist und die Wurzeln weniger Feuchtigkeit benötigen.

Die Erholung beobachten

Die Erholung geschieht nicht über Nacht. In den ersten ein bis zwei Wochen können weiterhin Blätter vergilben oder abfallen, vor allem die am stärksten geschädigten – das ist normal, da die Pflanze Gewebe abstößt, das sie nicht mehr versorgen kann. Neuer Austrieb, festere Blätter und ein insgesamt stabileres Erscheinungsbild in den folgenden drei bis sechs Wochen zeigen, dass die Pflanze ihr Wurzelsystem wieder aufbaut. Stelle die Pflanze während der Erholungsphase hell und indirekt beleuchtet auf und verzichte auf Dünger, bis du deutliches neues Wachstum siehst, da Dünger eine Pflanze mit geschwächtem Wurzelsystem zusätzlich belasten kann.

Fühlt sich die Stängelbasis oder das Herz der Pflanze komplett matschig an, oder hat die Fäule bereits den Haupttrieb erreicht, ist die Pflanze möglicherweise nicht mehr zu retten. In den meisten Fällen jedoch, in denen das Problem im Stadium der gelben Blätter erkannt wird, reichen ein beherzter Rückschnitt der Wurzeln und angepasste Gießgewohnheiten aus, um sie zurückzuholen.

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